LOG-BILDER 2017 / 3. Teil

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3. Teil
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14 Tage auf dem Hausboot kurz zusammengefasst

Region: Okzitanien Frankreich –  Fahrwasser: Canal du midi und Canal du Rhône à Sète –  Strecke: Von „Port Lauragais“ nach „Aigues mortes“
Reisezeit: 23. September bis 6. Oktober 2017 –  Basen: „Port Lauragais“ und „Aigues mortes“

Étang de Thau, fast endlos
Die Highlights

Vor allem zwei Erlebnisse sind es Wert hier erwähnt zu werden, – einfach weil sie einen nachhaltigen Eindruck hinterliessen. Einerseits beeindruckte und erstaunte die mittelalterliche Stadt „Carcassone“ durch ihre Grösse, Vielfalt und dem erstaunlich guten Zustand der Jahrhunderte alten Gemäuer. Andererseits sorgte der Übergang vom „Canal du midi“ in den „Étang Thau“ für ein beeindruckendes Seherlebnis mit einem auf dem Kanal nicht erlebten Gefühl der fast endlosen Weite und unendlichen Freiheit.

Brauner Canal du midi
Die Fahrwasser

Das Wasser im „Canal du midi“ ist schmeichelhaft „das Wasser das dich trägt“, aber vielfach unanschaulich ist – es gibt auch angenehme Abschnitte. Beide Kanäle weisen unterschiedliche Breiten auf, zu eng ist es aber nie. Ganz anders zeigt sich der Étang de Thau, klares, fast endloses Wasser lässt das bisher Gesehene vergessen. Nicht von ungefähr werden grosse Teile des Sees für die Austernzucht genutzt. Ungewohnt war der spürbare Einfluss des Windes, gelegentliche Böen erforderten Aufmerksamkeit

Reusennetze am Ufer
Sehenswert

Eigentlich ist es so, dass es auf der ganzen Strecke zwischen „Port Lauragais“ und „Aigues mortes“ vieles gab, das sehenswert war. Während sich im Hinterland mehrheitlich die Landwirtschaft und das „Mittelalter“ bemerkbar machten, ist bereits vor dem Ende des „Canal du midi“ der mediterrane Einfluss und die Nähe des Mittelmeeres deutlich spürbar. Denn plötzlich merkt und sieht man, dass man sich in Richtung der Camarque bewegt, mit allen bekannten und zu erwartenden Attributen.

Schleusentreppe von Béziers
Die Schleusen

Was zuerst auffällt, ist die spezielle halbrunde Schleusenform an den elektrisch betrieben Schleusen des „Canal du midi“, die gelegentlich von einem anwesendem Schleusenwärter bedient werden. So wie bei den eindrücklichen „neun Schleusen von Fonseranes“ in Béziers oder der aussergewöhnlichen Rundschleuse in „Agde“. In der Planung sollte vielleicht auch berücksichtigt werden, dass die Hubbrücke in „Frontignan“ nur einmal am morgen und einmal am Nachmittag geöffnet wird.

Mittelalterlicher Burgwächter
Die Nachsaison

Was wir auf dem „Canal du midi“ und dem „Canal du Rhône a Sète“ während der Nachsaison als positiv empfanden: Bescheidener Bootsverkehr, dadurch entspanntes Manövrieren, meistens freie Schleusen und Anlegeplätze, Platz in Restaurants, frei zugängliche Sehenswürdigkeiten, um nur einige zu nennen. Der saisonal bedingte Ausfall von  Infrastrukturen war vor allem in schwach frequentierten Tageszeiten spürbar. Deshalb sorgten gelegentlich  eingeschränkte Öffnungszeiten von Restaurants für leichte Anpassungen.

Wolken über dem Étang de Thau
Das Wetter

Wir hatten insofern Glück, als dass wir nicht mit dem berüchtigten Mistral konfrontiert wurden, der doch sehr unangenehm sein kann. Wir genossen viele Sonnenstunden, waren aber aufgrund der doch eher sehr warmen Temperaturen nicht unglücklich, wenn sich der Himmel bewölkt zeigte.  Zusammen genommen ergaben sich ungefähr zwei Regentage, wobei die einzelnen Schauer teilweise recht heftig waren. Am Abend wurde die Heizung gelegentlich als angenehm empfunden. Gelegentlich starker Wind.

Ufer in der Abendsonne
Die Natur

Natur ist im Überfluss vorhanden, wenn auch sich der Unterschied der Vegetation zwischen dem westlichen Hinterland und der südöstlichen Mittelmeerregion sichtlich bemerkbar macht. Offensichtlich war das Fehlen vieler grosser Platanen, wir passierten einige Orte, an denen im grossen Stil die kranken Bäume gefällt wurden. Aber erfreulicherweise werden auch viele neue Platanen gesetzt Östlich von „Aigues mortes“ prägen riesige Feucht- und Sumpfgebiete die weitsichtige Landschaft direkt am Mittelmeer.

Pferd der Camarque
Die Tiere

Viele verschiedene Tiere wurden nicht gesichtet. Zuerst waren es die üblichen „Flussbewohner“, wie Schwäne, Gänse, Kormorane, unterschiedliche Enten-, Reiher- und Vogelarten. Beglückend anzusehen waren die rosafarbenen Flamigos, die sich in den flachen Seen sichtbar wohl fühlten. Ein bleibendes Erlebnis waren auch die so genannten „Camarguais“ – übrigens die älteste Pferderasse der Welt –  in  „Freiheit“ beobachten zu können. Ansonsten waren Rinder, Katzen, Hunde, Esel und Schafe an den Ufern zu sehen.

Architektur nb Frontignan
Bauwerke

Natürlich finden sich die bekanntesten und am meisten besuchten Bauwerke in „Carcassonne“ und „Aigues mortes“. Auch sehenswert sind die Einflüsse vergangener Besitznahmen und Machtwechsel, die sich gelegentlich in eigenwilligen Architekturen manifestieren, so wie zum Beispiel in „Frontignan“. Oder auch topmodern, wie etwa der Kongressturm in „Palavas les Flots“, das Restaurant im „Ufo“ bietet eine traumhafte Aussicht auf die „Camargue“ und das Mittelmeer.

Hafen mit Servicestation
Service für Boote

Anlegestellen mit Wasser- und/oder Stromanschlüssen sind auf der ganzen Strecke zwischen „Port Lauragais“ und „Aigues mortes“ in ausreichender Zahl
vorhanden – aber selten auch zum kostenlosen Bezug. In den meisten Häfen werden für Wasser, Strom und die Übernachtung im Hafen Gebühren verlangt, ausser an Basen des eigenen Vermieters. Platzprobleme waren in Häfen und Anlegeplätzen gelegentlich ein Thema, aber mit etwas Phantasie und gutem Willen immer lösbar.

Bootsleiche im Kanal
Fragwürdig

Wie haben in allen bereits befahrenen Kanälen und Flüssen Frankreichs immer wieder vernachlässigte und untergegangene Boote an den Ufern gesehen, aber nirgendwo so viele wie am „Canal du midi“. Nach unserem Verständnis erfüllen vor allem die vielen „Bootsleichen“ den Tatbestand des „Litterings“ resp. der vermeidbaren Umweltverschmutzung.
Es stellt sich die Frage, warum nicht mehr unternommen wird, um diese unerfreulichen Anblicke zu beseitigen?

Beziers mit Morgensonne
Fazit

Die zweiwöchige „Einwegfahrt“ auf dem „Canal du midi“ und dem „Canal du Rhõne à Sète“ hinterliess ein sehr gutes Gefühl. Die Reise beinhaltete viele anhaltende Erinnerungen. Die Mischung zwischen eindrücklichen Erlebnissen, passiver Aktivität, dem Entdecken von Unbekanntem, und natürlich dem schönen Gefühl der Freiheit war toll und erfüllte unsere Erwartungen voll und ganz. Wir haben nicht alles gesehen, vielleicht ein Grund diese Reise zu wiederholen.

Die Bilder und Texte dieser Website entstanden auf privater und unabhängiger Initiative.

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