MIT DEM HAUSBOOT IN FRANKREICH 2019

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14 Tage auf dem Hausboot kurz zusammengefasst

Region: Charente Frankreich  –  Fahrwasser: Charente und Charente maritime  –  Ziele: Rochefort und Angoulème
Reisezeit: 27. September bis 11. Oktober 2019  –  Basis: Sireuil

Rochefort Hermione
Die Highlights

Die eindrücklichste Erfahrung auf dieser Bootstour war sicher die, erstmals auf einem Fluss mit Gezeitenwechsel unterwegs zu sein. Der Unterschied zwischen zusehen oder sich auf dem Wasser zu befinden ist beeindruckend, insbesondere die fühlbare Kraft des schnell strömenden Wassers lässt alle Sinne wachsam sein. Auch die differente Wahrnehmung der Uferregion bei Ebbe und Flut ist für uns „Bergler“ erstaunlich und eröffnete neue Perspektiven. „Rochefort“, das westliche Ziel der Tour ist sehenswert, insbesondere wegen dem ältesten Trockendock Frankreichs und der dort beheimateten Fregatte „Hermione“.

Klares Wasser
Das Fahrwasser

Abgesehen von der erdfarbenen, mit Sedimenten beladenen „Charente maritime“, war das glasklare Wasser der „Charente“ eine besondere und unerwartete Freude – vor allem nach trüben Erfahrungen auf einigen Kanälen. Die Möglichkeit, unter der Wasseroberfläche alles zu sehen was sich da abspielt, ist in Zeiten der Umweltverschmutzung eine schöne Bereicherung. Wir haben aber auch erfahren, dass die intensive Düngung der Landwirtschaft dem Flusswasser zusetzt. Dies war vor allem im oberen Teil der „Charente“ in Form von Algen zu bemerken.

Saintes Arc de Germanicus
Sehenswert

Der „hochprozentige“ Charakter dieser Region der Charente war sicht- und spürbar. Neben einigen namhaften Cognac-Herstellern, z.B. in „Cognac“ oder „Jarnac“, sind auch einige kleinere Distellerien am Ufer der Charente ansässig. Ein Besuch nach eigenen Auswahlkriterien ist empfehlenswert.
Sehenswert, 2000 Jahre alt und unübersehbar ist der „Arc de Germanicus“ in „Saint“. Etwas jünger präsentiert sich „Angoulème“ als eine namhafte Stadt des französichen Comics – was auch sichtbar ist. Die Altstadt auf dem Hügel ist in jedem Fall für einen längeren Besuch zu empfehlen.

Schleuse mit Kippbrücke
Die Schleusen

Fast alle Schleusen der Charente sind  handbetrieben. Die rudimentäre Technik zum öffnen der Tore funktioniert mit einem Tellerrad, einer einfachen Übersetzung sowie einer starren Kette. Die Bedienung wurde – bei vollem Körpereinsatz – mit akzeptabel unkonfortabel definiert und funktionierte zwischen „flutschig“ und „harzig“. Elektrisch betrieben wird einzig die renovierte Schleuse „la Baine“, die Schleuse mit Klappbrücke in „St. Savien“ wird durch einen Schleusenwärter geregelt – hier hört die „Charente“ auf und die „Charente maritime“ beginnt.

Nachsaison in Cognac
Die Nachsaison

Was wir auf der „Charente“ während der Nachsaison als positiv empfanden: Wenig Bootsverkehr, entspanntes Manövrieren, freie Schleusen und Anlegeplätze, freundliche Einwohner, interessierte Verkäufer, Platz im Restaurant (wenn offen), kein Gedränge bei Sehenswürdigkeiten, um nur die wesentlichsten zu nennen. Der Ausfall von saisonal bedingten Infrastrukturen war nicht wirklich spürbar, was benötigt wurde konnte immer relativ einfach gefunden werden.

Von blau zu grau
Das Wetter

Der Einfluss des nahen Atlantik macht sich insofern bemerkbar, als dass gelegentlich schnelle Wetterwechsel mit entsprechenden Schwankungen der Temperaturen auftreten können. Trotz teilweiser Wolkenfelder haben wir lediglich 2-3 Regentage hinnehmen müssen – verteilt, nicht am Stück.
Die Temperaturen wurden meistens als sehr angenehmen empfunden, und wenn nicht, half ein warmes Jäckchen. Erwähnenswerte Beeinträchtigungen durch Wind während der Fahrt waren praktisch nicht zu verzeichnen.

Üppiges Wachstum am Ufer
Die Natur

Die ersten herbstlichen Farben in der üppigen Ufer-Vegetation sorgten für ein angenehmes Naturgefühl. Hauptsächlich in vollem Saft, aber auch in allen Stadien der Lebenszyklen. Vielfach sind es „abgestorbene“ oder gefallene Bäume im Fluss, die als Grundlage für neues Wachstum dienen und auch gewisse fixe Bilder aus dem Kopf abrufen können.
Gelegentlich sieht man vereinzelte Pflanzen und Bäume, die von Pilzen und Frassfeinden befallen sind, die Verbreitung ist aber bescheiden.

Rindvieh am Ufer
Die Tiere

Die Vielfalt der freien Tierwelt entsprach den hier nahe beieinander liegenden Habitaten mit Süss- und Salzwassereinfluss. Es waren die üblichen „Flussbewohner“ zu sehen, wie Schwäne, unterschiedliche Enten-, Reiher-, Tauben-, Möven- und Vogelarten – inklusive Eisvögel. Im klaren Wasser konnten viele Fische gesichtet werden, von den Kleinen oben, bis zu den „Riesen“ am Grund. Hauptsächlich war Rindvieh sichtbar, gelegentlich auch Pferde, Esel und eine lebenslustige Ziege.

Fassade in Jarnac
Die Gebäude

Nur selten beeinträchtigen moderne Bauten das Gefühl der „stehen gebliebenen Zeit“ – in vielen Gebäuden ist die turbulente Geschichte dieser Region über Jahrhunderte ersichtlich. Vor allem in „Jarnac“ und „Cognac“ fallen viele schwarze Hausfassaden auf. Verantwortlich ist der so genannte „Anteil der Engel“. Das sind die Dünste, die während der Reifung aus den Eichenfässern mit Cognac entweichen.
Viele Gebäude wurden sanft und fachgerecht saniert oder renoviert. Immer interessant sind sakrale Bauten, vor allem wegen der kunst- und handwerklichen Sehenswürdigkeiten ihrer Zeit.

Stabiler Poller
Service für Boote

Zwischen den Städten „Rochefort“ und „Angoulème“ war zu keiner Zeit ein Mangel an Möglichkeiten zur Versorgung mit Wasser und Strom feststellbar – vielfach zum kostenlosen Bezug(!). Es gibt auch Anlegeplätze, wo Gebühren dafür fällig wurden – wie auch für die Übernachtung.
Positiv zu erwähnen ist der schnelle Einsatz unserer Basis bei einem kleinen Missverständnis mit dem Gas-Backofen. Innerhalb einer Stunde war das Problemchen keines mehr.
Aufgrund der Reise während der Nachsaison waren Platzprobleme für uns – an allen Häfen und Anlegeplätzen – kein Thema.

Siro the hero
Hund an Bord

Auf der ganzen Reise hat uns „Siro“, ein 10-jähriger „Kerry Blue Terrier“, überall hin begleitet. Egal wo, im Auto, auf dem Boot, an Land, in den Städten oder in Restaurants, es gab nicht das kleinste Problem mit ihm.
Im Gegenteil, nicht wenige Franzosen zeigten viel Interesse an „Siro“ und fragten nach Rasse und Alter. Mehrfach wurde erwähnt, dass er an „Struppi“ – einem bekannten Hund aus der Comic-Serie „Tintin“ – erinnere.
Wer Hunde mag, dem sei die Mitnahme auf die Bootstour wirklich empfohlen. Natürlich muss sich der Hund dazu eignen und auch wohl fühlen.

Fazit

Die zweiwöchige Hausboot-Reise auf der „Charente“ und „Charente-maritime“ hinterlies in der Summe ein sehr gutes Gefühl. Die Mischung zwischen schönen Naturerlebnissen, passiver Aktivität beim Boot fahren, dem Entdecken unbekannter Orte, dem Erlebnis Ebbe/Flut und natürlich dem fast grenzenlosen Gefühl der Freiheit war ideal und ausgewogen. Einzig ein kleiner Bruch in meinem Knochen sorgte kurz vor Ende der Reise für ungeplanten Umtriebe.

Auch wenn wir längst nicht alles gesehen und erlebt haben, diese Bootsreise ist absolut empfehlenswert.

Die Bilder und Texte dieser Website entstanden auf privater und unabhängiger Initiative.

Formgebung

Peter Hofmann
Bonstetterstrasse 10
CH-8905 Islisberg
+41 79 289 34 60